Chronik des MGV Eintracht Rödingen-Höllen

 

 

 

Aus der langen Geschichte des Männergesangvereins Rödingen

 

Rödingen: Der wohl wichtigste und einzige Zeitzeuge aus der Gründerzeit des Männergesangvereins ist die heute noch erhaltene erste Fahne aus dem Jahr 1858. Da alle Vereinsunterlagen im zweiten Weltkrieg verloren gingen, stützte sich der Verein auf die Aufschrift auf der Fahne, die das Gründungsjahr 1858 anzeigt.

 

In einer aus dem Jahr 1921 verfassten Chronik von Dr. Heinrich Clement, Pfarrer von Rödingen, ist zu lesen: „Am 29. Juni 1863 wurde die von der Base des Pfarrers Grün in Bettenhoven angefertigte neue Fahne des Männergesangvereins unter Musik und Böllerschießen abgeholt. Bei dem Zug entstand ein Unglück, indem Pulver in Brand geriet und vier Böllerschützen verletzte. Ein unheilvolles Zeichen? Für die damaligen Sänger ganz bestimmt, denn die neue Fahne wurde erst beim 25jährigen Bestehen des Männergesangvereins geweiht, wie eine Gedenkmünze aus dem Jahr 1884 beweist.

 

Die alte Fahne hatte unterhalb der Spitze einen Fahnenkranz aus Messing, an dem die vielen Gedenkmünzen befestigt waren, die von Sängerwettstreiten und Festen berichten. Zum Glück ist das damalige Abholen der neuen Fahne kein schlechtes Omen geblieben, denn am 2. August 1908 wurde das 50. Gründungsfest gefeiert, wie eine weitere Gedenkmünze aussagt.

 

Viele ältere Rödinger haben uns geholfen alte Namen ausfindig zu machen und berichten uns von diesem Jubelfest, welches mit einem Sängerwettstreit verbunden war und bei strahlendem Wetter stattfand. Nach der Frage, wie die frohe Sängerschar früher zu den Wettstreiten der näheren Umgebung gelangte, erhielten wir die Auskunft, dass ein Pferdefuhrwerk, meistens ein großer Erntewagen mit Birkenzweigen geschmückt, versehen mit Bändern, auf große Reise ging. Auffällig ist das bei dem letzten Bild in der Chronik fast alle Sänger aus Rödingen sind und auch die alte Fahne nur den Ort Rödingen erwähnt. Ein Zeichen dafür, dass die heutige Gemeinsamkeit der Orte Rödingen-Höllen-Bettenhoven zur Jahrhundertwende nicht bestand.

 

Zu diesem Zeitpunkt endet die Dokumentation aus früherer Zeit, erhalten ist nur noch ein Programm aus dem Jahr 1924 von einem Gesangsfest in Kalrath, an dem der Männergesangverein Rödingen teilnahm. Vergleicht man die dort teilnehmenden Chöre der Umgebung mit dem heutigen Stand (früher 22) so stimmt es einen doch recht nachdenklich als Sänger. Zehn Jahre später – durch politische Ereignisse bestimmt – verstummte der Gesang des Männergesangvereins im Jahr 1934 und erlebte erst 25 Jahre später seinen erneuten Aufstieg.

 

Die Aufzeichnung der Wiedergründungsversammlung vom 13. Januar 1960 erwähnte in ihrem Vorwort, dass sich im Juli/August 1959 Wilhelm Bodewig, Josef Breuer, Hubert Breuer, Lorenz Bodewig, Nikolaus Laut, Heinz Baulig, Wilhelm Röhrbein und der voraussichtliche Chorleiter Josef Küpper aus Lich-Steinstraß trafen, um den ruhenden Männergesangverein Rödingen wieder ins Leben zu rufen. Zahlreiche Gespräche mit sangesfreudigen Bürgern in der Gemeinde, ermunterten zu einer Wiederbelebung des Männergesangvereins.

 

Bei der Versammlung am 13. Januar 1960 im heutigen Vereinslokal Porta in Rödingen nahmen laut Anwesenheitsliste teil: Wilhelm Bodewig, Konrad Olischläger, Hubert Breuer, Gerhard Laut, Josef Breuer, Hans Braun, Michael Krämer, Jakob Meyer, Karl-Heinz Scholz, Nikolaus Laut, Josef Küpper, J. Schmitz, Wilhelm Röhrbein, Werner Porschen, Josef Porta, Josef Bebber, Heinz Baulig, Hans Lipp, Josef Muckel, Heinz Büttgen, Pfarrer Leo Lange, Hans-Adam Ameln, Matthias Schleuter und Heinz Bebber. Es wurde beschlossen, den ruhenden Verein wieder aufleben zu lassen und sich wöchentlich zu einer Chorprobe zu treffen. Bei der Goldhochzeit der Eheleute Gehlen im Klasend konnte man den Gesangverein „Eintracht Rödingen-Höllen“ – so der neue Name – erstmals hören.

 

Zielstrebige Arbeit und Idealismus waren in den ersten Stunden der Anfänge von Bedeutung, um in der Folgezeit bei Sängerwettstreiten und Konzerten bestehen zu können. Mit der Zeit profilierte sich der Chor zu einer harmonischen Gemeinschaft, Dank guter verfügbarer Stimmen, einer ebenso guten Führung, sowie der Tüchtigkeit des Chorleiters.

 

Am 12. und 13. Oktober 1963 feierte man das 105jährige Bestehen des MGV, ein großes Fest mit Konzert, Fahnenweihe, Platzkonzert und Freundschaftssingen, an dem viele Gastvereine teilnahmen. Wir erinnern uns alle noch recht gut an dieses Fest, eine gelungene Vorstellung des MGV Rödingen-Höllen in seiner erst dreijährigen mühevollen Aufbauarbeit. Mit diesem Fest errang der MGV neue Freunde, erwarb sich durch dieses Konzert und der gebotenen Leistung in Sängerkreisen die nötige Achtung und Aufmerksamkeit.

 

Die neue Fahne des Männergesangvereins, ein Geschenk der Dorfgemeinschaft. Durch Spenden wurde die Anschaffung ermöglicht und am 13. Oktober 1960 in der Pfarrkirche zu Rödingen geweiht.

 

Beflügelt von dem nachhaltigen Erfolg des Jahres 1963, nahm die Zahl der Verpflichtungen zu Konzerten und Freundschaftssingen ständig zu, ohne die Mitgestaltung der Feste unserer Dorfgemeinschaft zu vernachlässigen. In den nächsten Jahren unermüdlicher Arbeit blieb der Erfolg dem MGV treu. Auftritte in der Stadthalle von Jülich, Düren und Elsdorf waren einige Höhepunkte in der Vereinsgeschichte der 60er Jahre, doch immer blieb man den eigenen Zuhörern im Dorf treu, mit einem alljährlich stattfindenden Konzert, bei dem immer gute Chöre und Orchester mitwirkten. Um einige Namen zu nennen: MGV Oberaußem, MGV Bedburg-Lipp, Schubertchor Bonn, MGV Welldorf, MGV Jülich, Rheinbraun Blasorchester, Kammerorchester Bergheim, Musikfreunde Hambach, Kruckenberg und das Mandolinen-Orchester Koslar.

 

Doch bei allem Stolz sollte nicht verschwiegen werden, dass das Interesse merklich nachließ und die Zahl der Sänger zurückging. Es gab viele Gründe dafür. Einige junge Sänger heirateten in andere Orte, so dass ein regelmäßiger Probenbesuch nicht mehr zustande kam. Zahlreiche Sänger fanden nach dem Wehrdienst nicht mehr den Weg zu uns zurück. Bei einigen waren andere Interessen stärker vertreten, aber auch die Lustlosigkeit war ein Grund und das Wirtschaftswunder in unserem Land tat sein Übriges.

 

In dieser Zeit eines merklichen Rückgangs wechselte man den Chorleiter und der Vorstand versprach sich von dieser Maßnahme neue Impulse und Auftrieb für den MGV.

 

Im Januar 1972 übernahm Harald Düren aus Rödingen die Chorleitung. Eine Zeit der Umstellung für Chor und Leiter musste überwunden werden, ehe sich die Erfolge einstellten. Schöne Erfolge bei Konzerten in Hambach, Broich, Otzenrath, Welldorf, Garzweiler, Niederzier und Rödingen festigten den Chor. Da in den Volksschulen der Musikunterricht entfiel, sah der Verein die Möglichkeit, den Schulkindern als Ausgleich zu musischem Tun, Chorgesang anzubieten und Nachwuchs für den Chor zu sichern. 1976 gründete man einen Kinderchor unter der Leitung von Harald Düren. Erstmals wurde der Chor der Öffentlichkeit beim Konzert am 20. Juni 1976 vorgestellt. In dieser Zeit ließ der MGV auch den Maibrauch in Rödingen wieder aufleben.

 

Wie in vielen Dörfern des Jülicher Landes „pflanzte“ man auch in Rödingen und Höllen die weithin sichtbaren Zeichen des Wonnemonats, die Maibäume, ein. In Rödingen, übernahm der MGV die Pflege des Maibrauches. Vorher hatte man den Maibaum in Höllen aufgestellt. Hier sind es die Mitglieder des Turnvereins „Eintracht“, die sich für die Durchführung des Maifestes verantwortlich zeichnen. Die Bäume – beide waren ca. 21 Meter hoch – hatte man gemeinsam per Trecker aus dem Wald geholt. Beteiligt an den Aktionen waren ca. 25-30 Mann aus beiden Orten. Musikalisch begleiteten junge Mitglieder des Fanfarenkorps Höllen den Zug, die dann, sobald der Wipfel in den Himmel zeigte, „Der Mai ist gekommen“ intonierten, ohne dass das Datum dabei eine wesentliche Rollte spielte. Früher, so konnte man erfahren, gab es diese Gemeinsamkeit nicht. Da herrschte Rivalität zwischen den beiden Dörfern, die sich auch mal im Absägen des „gegnerischen“ Maibaumes ausdrückte.

 

1978 feierte der Männergesangverein sein 120jähriges Gründungsfest, mit einem Festkonzert am 4. März und dem Freundschaftssingen am 5. März mit befreundeten Chören der Umgebung.

 

Am 30. April und 1. Mai 1983 sowie am 27. und 28. August 1983 wurde 125 Jahre MGV Rödingen-Höllen gefeiert. Es war ein Freundschaftssingen mit den Chören Cäcilienchor Niederzier, Cäcilienchor Rödingen, Kinderchor des MGV Rödingen-Höllen, MGV Elsdorf, MGV Hasselsweiler, MGV Jülich, MGV Linnich, MGV Otzenrath-Garzweiler, MGV Pesch, MGV Titz und MGV Welldorf. Beim Festkonzert am 27. August unter Mitwirkung der Solistin Frau Schilling, dem Musikkorps Hambach und Gem. Chor Aldenhoven sowie der Schirmherrschaft des damaligen Bürgermeisters Wilhelm Lieven registrierte man einen vollen Saal.

 

Höhepunkte der Vereinsgeschichte sind bis heute jedoch die internationalen Begegnungen 1978 und 1980 Lungern/Schweiz, 1982 und 1984 Kaprun/Österreich und 1993 Budapest/Ungarn, sowie die vielen Konzertreisen nach Oberammergau 1984, Bad Herrenalb/Schwarzwald 1989, Bad Lauterberg/Harz 1991 und Amsterdam/Holland 1996.